Lieblingsfilme Part I: „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ von Terry Gilliam

Dies ist der dritte Teil von Terry Gilliams informeller Fantasie-Trilogie, welche nach Time Bandits und Brazil hier einen überzeugenden Abschluss fand. Wer „The Hamster Factor“ auf der 12 Monkeys-DVD gesehen hat, kann verstehen das dieser Film Verleih und Produzenten fast den Verstand gekostet hat, aber selten wurde ein zu damaligen Verhältnissen astronomisches Budget von 46 Millionen Dollar, in einem Fantasievolleren Film verpulvert. Wie bei den meisten Terry Gilliam Filmen wirkt er beim ersten mal zu Lang, weil die klassische 3 Akt Struktur, nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist. Irgendwann fragt man sich wo soll das das jetzt noch hingehen? Aber wie bei den meisten Gilliam-Filmen gewinnt der Film auch bei jedem Sehen. Ich habe noch nach dem 6. Mal wunderbare Details entdeckt und der Film wird von Mal zu mal kurzweiliger.

Während es in Time Bandits darum ging wie ein kleiner Junge von seinen wilden Phantasien getrieben wurden, es in Brazil darum ging wie sich ein erwachsener Mann mit seiner Fantasie aus einer unerträglichen Realität flüchtet, so behandelt Münchhausen das Thema, wie ein alter Mann seine Phantasie nutzt um um sich die Welt nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Und wer sollte dazu besser geeignet sein als der altbekannte Lügenbaron.

Eingeschlossen in einer von den Türken belagerten Stadt beginnt Baron Münchhausen eine Reise durch die altbekannten Lügengeschichten. Getrieben von einem kleinen Mädchen, dass ihn nicht zur Ruhe kommen lässt, bevor er seine Aufgabe die Stadt zu retten nicht erfüllt hat.

Sarah Polleys erste Rolle ist übrigens einer der Gründe weswegen die Originalfassung der ansonsten außerordentlich guten Synchronfassung vorzuziehen ist. Wer sich beklagt das dieses Kind nervt, sollte sich davon überzeugen, das die im englischen einen ganz entzückenden Motor für das Voranschreiten der Geschichte liefert. Nebenbei bemerkt ist es auch sehr unterhaltsam auf wie viele verschiedene Weisen Engländer und Amerikaner den Namen Münchhausen verhunzen können. Ich Liebe Jonathan Prices „Ah, the real Baron Munchhuusen.“.

Terry Gilliam weiß die altbekannten Geschichten immer mit einem Augenzwinkern zu variieren, so das zu keiner Sekunde das Gefühl aufkommt man würde die Geschichte bereits aus der Hans Albers-Verfilmung kennen.

Und zum Streit ob die Hans Albers Version nun vorzuziehen sei, diagnostizierte Gilliam einmal sehr treffend: Die alte Verfilmung wirke als wollte Deutschland beweisen, dass es auch einen Zweifrontenkrieg führen und trotzdem einen großen Fantasy-Filme produzieren kann. Ziemlich schwer.

Terry Gilliam widmete diesen Filme seiner Frau und ihren beiden Töchtern, und seinem Sohn und ich muss sagen, offensichtlich nimmt er seine Kinder sehr Ernst. Die Belagerung der Stadt mag in ihrer Authentizität manchem nicht
Kindgerecht erscheinen, aber sie bildet die Grundlage für eine fantastische leichtfüßige Geschichte die mit dem notwendigen Augenzwinkern erzählt wird, welches die Geschichte um den größten Lügner aller Zeiten auch braucht um nicht altbacken zu wirken.

Münchhausen war zwar ein finanzielles Desaster, nachdem der Verleih auch einen angemessen Vertrieb verweigert hat, aber er war Terry Gilliams Emanzipation von Monty Python. Zwar pflegt er diese Wurzeln mit Ideen wie der Sklaven-Orgel, aber nie gewinnen sie die Oberhand über die Geschichte.

Man merkt, ich liebe diesen Film auch nach dem 10. Mal.

Der Trailer auf YouTube

About Superlutz

Cinemaniac right from the beginning. „Bambi“ mit 5 und danach die ganze Palette rauf und runter. Mit 10 passionierter Kinoreinschleicher (was die Arbeit der FSK überflüssig machte), Mit 12 leidenschaftlicher Filmplakate-Sammler. Mit 16 Dekorateur und Kartenabreisser. Mit 19 Vorführer. Mit 26 musste ich dann auch mal Geld verdienen, aber die Leidenschaft brennt noch immer. Heute im Heimkino mit 2700 DVDs und Blu-rays.
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